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Weitere durch Zecken übertragbare Krankheiten

Zecken

 

Zecken sind Spinnentiere und gehören der Familie der Acariden (Milben) an. Es gibt weltweit zig hunderte verschiedene Zeckenarten. Am weitesten verbreitet ist in Deutschland die Schildzecke Ixodes ricinus (auch „gemeiner Holzbock“ genannt). Diese Zeckenart weist eine hohe Durchseuchung mit humanpathogenen Krankheitserregern auf. In einigen Regionen Deutschlands kommen weitere Zecken-Arten, wie u.a. die Dermacentor-Zecke vor, die ebenfalls Träger von zahlreichen Krankheitserregern sind.

 

Die Blutwirte der Zecke Ixodes ricinus sind vor allem kleine Nagetiere wie Mäuse, aber auch Wild, Haustiere, Vögel, Reptilien und Menschen. Zecken bevorzugen mildes und feuchtes Klima. Um sich vor einer Austrocknung zu schützen sind sie vor allem in Habitaten zu finden, in denen auch im Sommer eine hohe Feuchtigkeit vorhanden ist. Zecken durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien: Larve, Nymphe, Adulte. In jedem Stadium benötigen sie mindestens eine Blutmahlzeiten. Larven finden sich meist an Grasspitzen, Nymphen an Pflanzen bis zu einer Höhe von etwa einem Meter und Adulte an Gewächsen von etwa 1,50 m. Bereits Nymphen können Borrelien übertragen. Da sie sehr klein sind (ca. ½ -1mm), ist die Gefahr sehr groß, dass sie nicht entdeckt werden.

 

Mit dem Haller'schen Organ an den vorderen Beinen, das auf thermische und chemische Reize des potentiellen Wirts reagiert, erkennen Zecken ihr Opfer und lassen sich von diesem einfach "mitnehmen". Sie suchen sich dann in aller Ruhe einen geeigneten Platz am Körper, um mit ihrem Stech- und Saugakt zu beginnen. Bevorzugt werden warme, feuchte Stellen mit dünner und gut durchbluteter Haut. Damit sie bei ihrem manchmal tagelang dauernden Saugakt nicht herunterfallen, befestigen sie sich mit ihrem Hypostom (einem zapfenartigen mit Widerhaken versehenen Stechapparat) und durch eine zementartige Substanz an ihrem Wirt.

 

Gleichzeitig geben sie betäubende, gerinnungs- und entzündungshemmende und immunsupressive Stoffe ab. Der Zeckenstich wird deshalb oftmals nicht bemerkt. Borrelien befinden sich vorwiegend im Mitteldarm der Zecke, wurden aber auch partiell im Speicheldrüsen-Ausführungsgang gefunden. Es wird davon ausgegangen, dass eine Übertragung von Borrelien nach etwa 12 bis 48 Stunden möglich ist. Das Risiko einer Erregerübertragung nimmt mit der Länge des Saugaktes zu. Nach einigen Tagen sind die Zecken vollgesogen und verlassen ihren Wirt wieder.

 

Anmerkung: Es hat sich zwar die Bezeichnung "Zeckenbiss" eingebürgert, was aber nicht ganz korrekt ist. "Zeckenstich" kommt dem tatsächlichen Vorgang eigentlich am nächsten. Die Zecke ritzt die Haut auf und steckt ihr Hypostom in die geöffnete Stelle.)

 

Siehe hierzu auch:

 

BR-Video Gefahr im Unterholz: So sticht die Zecke

Michael Becker Systematik der Zecken

BR Bilder Zecken

Robert-Koch-Institut Ein möglicher Vektor: Auwaldzecke – Dermacentor reticulatus Beobachtungen aus Brandenburg

Dautel Die Auwaldzecke breitet sich aus

Epidemiologisches Bulletin Nr. 29, 2009 Dermacentor reticulatus als potenzieller Überträger von Infektionen beim Menschen

 

 

 

Durch Zecken übertragbare Infektionskrankheiten in Europa und Deutschland*

 

Bakterien

Viren

Parasiten

 

Borrelia burgdorferi sensu lato*
Coxiella burnetii*
Rickettsia helvetica
Rickettsia slovaka*
Anaplasma phagocytophilum*
(humane granulozytäre Ehrlichiose)
Francisella tularensis

FSME-Virus*
Eyach-Virus*
Tribec-Virus*
Lipovnik-Virus
Uukuniemi-Virus*
Erve-Virus*

 

Babesia divergens*
Babesia microti*

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Forschungsbericht 200 61 218/11, UBA-FB 000454

 

Die mit Abstand am häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit ist mit geschätzten 60.000 bis 100.000 jährlichen Neuerkrankungen die Lyme-Borreliose.

 

 

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

 

Synonyme: Zeckenenzephalitis, Tick borne Encephalitis (TBE) oder Western subtype of tick-borne Encephalitis (W-TBE)

 

Krankheitserreger

 

Das FSME-Virus gehört zur Familien der Flaviviridae und der Genospezies Flavivirus, zu der auch unter anderem das Gelbfieber- und das Dengue-Fieber-Virus gehören. Die Viren sind behüllt und haben eine Größe zwischen 40–60 nm. Sie vermehren sich im Cytoplasma der Wirtszelle. Bekannt sind drei FSME-Genotypen: zentraleuropäischer, fernöstlicher und sibirischer Typ.´

 

Epidemiologie

 

Das FSME-Virus wird in Europa primär durch die Zecke Ixodes ricinus übertragen. Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 300 bis 500 Neuerkrankungen. Eine Infektionsgefahr besteht nur in einigen Regionen Deutschlands. Die FSME ist nach dem Infektionsschutzgesetz bundesweit meldepflichtig (Falldefinitionen des RKI zur FSME). Indikationen zur Impfung sowie die Risikogebiete sind auf der Seite des Paul-Ehrlich-Insituts: Informationen zu FSME -Impfstoffen erhältlich. An das PEI wurden von 2006 bis 2008 insgesamt etwa 817 FSME-Impfnebenwirkungen gemeldet, die von unterschiedlicher Schwere waren.

 

Siehe hierzu auch:

 

Robert-Koch-Institut: Fünfjahresinzidenz der FSME in Kreisen und Kreisregionen, Deutschland, 2002–2008

Paul-Ehrlich-Institut PEI-Datenbank Impfschäden (Hinweis: Es ist etwas umständlich und aufwendig, die Informationen in der Datenbank aufzurufen.)

Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. Stellungnahme zur Prävention von Infektionen mit dem durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - Virus im Kindes- und Jugendalter

Report Mainz Impfstoffhersteller verbreiten Fehlinformationen über „Zeckenschutz-Impfungen“ Robert-Koch-Institut warnt vor Panikmache Mai 2009

 

Wichtig: Die FSME-Impfung schützt weder gegen die Lyme-Borreliose noch gegen die weiteren durch Zecken übertragbaren Infektionserreger. Deshalb sind auch nach einer FSME-Impfung entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung eines Zeckenstichs und bei einem Zeckenbefall eine fachgerechte Entfernung der Zecke sowie die Beachtung möglicher nachfolgender Krankheitszeichen notwendig.

 

 

Rickettsiose

 

Krankheitserreger

 

Rickettsien sind Bakterien der Gruppe Rickettsiales, die von Zecken, Flöhen, Milben, und Läusen übertragen werden. Es handelt sich um ausschließlich intrazellulär lebende Erreger. Dadurch sind sie in der Lage, sich ihrer Eliminierung durch das Immunsystem zu entziehen. Einige Rickettsien-Arten sind humanpathogen.

 

Epidemiologie

 

Es liegen für Europa nur wenige regionale Studien zur Durchseuchung von Zecken mit humanpathogenen Rickettsien-Arten vor. Die Datenlage zur Durchseuchung der Zecken mit diesem Erreger, der Sero- und Krankheitsprävelenz sowie die jährliche Neuerkrankungsrate ist insbesondere für den deutschen Raum völlig unzureichend. Mögliche Erkrankungsfälle werden nicht systematisch erfasst und dokumentiert.

 

Rickettsia helvetica

Untersuchungen haben ergeben, dass diese Rickettsien-Art in der Schweiz, Frankreich und Slowenien vorkommt. Im Rahmen einer Waldarbeiterstudie in Berlin-Brandenburg wurde bei 13,7% der Waldarbeiter positive Rickettsien-Antikörper festgestellt, wobei angegeben wird, dass die klinische Relevanz noch geprüft werden müsste. In einer Studie in Baden Württemberg wiesen 9% der Zecken eine Durchseuchung mit Rickettsia helvetica auf (Hartelt et al, 2004).

 

Rickettsia monacensis

In München wurde in Ixodes-ricinus-Zecken eine neue Rickettsien-Art entdeckt. Rickettsia monacensis gehört zur Spotted-Fieber-Gruppe. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um eine humanpathogene Spezies handelt, wobei weitere Abklärungen bislang nicht erfolgt sind.

 

Rickettsia slovaca

Dieser Erreger ist Verursacher der TIBOLA (Tick-borne lymphadenopathy). Slowenische Studien zeigen eine  37%ige Durchseuchung der Zeckenart Dermacentor marginatus mit diesem Erreger. Studien, in denen ein mögliches Vorkommen in Deutschland untersucht worden wäre, gibt es bislang nicht.

 

Siehe hierzu auch:

 

AOK Rickettsiose, Fleckfieber, Flecktyphus, Läusefleckfieber, Typhus exanthemicus, engl.: rickettsial diseases/typhus fevers.

Dobler, Wölfle Fleckfieber und andere Rickettsiosen

Rickettsia monacensis sp. nov., a Spotted Fever Group Rickettsia, from Ticks (Ixodes ricinus) Collected in a European City Park 2002

 

 

Anaplasmose
(früher als Ehrlichiose bezeichnet)

 

Krankheitserreger

 

Anaplasma sind obligat intrazelluläre gram-negative Bakterien. Übertragen wird der Erreger von Zecken. Es werden zwei Arten unterschieden:

 

Humane monozytäre Ehrlichiose bzw. Anaplasmose, die durch den Erreger Ehrlichia bzw. Anaplasma chaffeensis verursacht wird.

 

Humana ganulozytäre Ehrlichiose bzw. Anaplasmose, die durch den Erreger Ehrlichia bzw. Anaplasma phagocytophilum verursacht wird.

 

Anmerkung: Die früher als Ehrlichia phagocytophila, Ehrlichia equi und HGE-Agens bezeichnete Erregergruppe wurde zur neuen Art Anaplasma phagocytophilum zusammengefasst.

 

Epidemiologie

 

Erkrankungen werden in Europa bislang vereinzelt aus den Niederlanden, der Schweiz, Schweden und Slowenien gemeldet. In Deutschland wurde bislang noch kein klinischer Fall bekannt, was jedoch auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass diese Infektionserkrankung häufig bei einer diagnostischen Abklärung von den Ärzten nicht in Erwägung gezogen wird. Denn in Deutschland durchgeführte Seroprävalenz-Studien und Untersuchungen über die Durchseuchung der Zecken mit diesem Erreger lassen den Schluss zu, dass die Anaplasmose auch hierzulande eine gewisse Relevanz hat. Das Pettenkofer-Institut München veröffentlichte 2008 eine Studie, als deren Ergebnis angegeben wird, dass in der Umgebung von München etwa 2,9% der Zecken mit Anaplasma phagocytophilum durchseucht sind, wobei die Durchseuchung in stadtnahen Parks höher sei als in Wäldern. (Silaghi et al. 2008) In Schweizer Studien wurden bei durchschnittlich 1,3% der Zecken HGE-Erreger gefunden (Wicki et al. 2000, Liz et al. 2000), in Lettland 2.3% (Bormane et al. 2004) und Schottland 3.3% (Walker et al 2001). Allerdings wurden bislang in den Ländern nur kleinere regional begrenzte Studien durchgeführt.

 

Q-Fieber (Query fever)

 

Erreger

 

Coxiella burnetii ist ein polymorphes gram-negatives Bakterium, das der Familien der Rickettsiaceae mit einem eigenen Genus zugeordnet wird - und dass sich intrazellulär in eukaryotischen Zellen vermehrt. Der Erreger ist sehr resistent gegenüber chemischen und physikalischen Einflüssen, weshalb er außerhalb von Zellen in Staub, Heu und auf Wolle jahrelang überleben kann. 

 

Epidemiologie

 

Reservoir-Wirte sind vor allem Rinder, Schaf und Ziegen, aber auch Katzen, Hunde, Wildtiere und Vögel, aber auch Milben, Läuse und Zecken. Die Übertragung erfolgt vor allem durch den direkten Kontakt zu den Tieren oder aber auch über Staub. Zecken sind gleichzeitig Reservoir-Wirte und Vektoren (Übertragung über Zeckenkot). Neben der Zecke Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock) ist vor allem auch Dermacentor reticulatus (Auwaldzecke, Buntzecke) potentieller Vektor. Coxiella burnetii ist potentiell biowaffen-geeignet.

 

Siehe hierzu:

 

Robert-Koch-Insitut: Q-Fieber: Vermehrtes Auftreten im Frühjahr 2008

Zeit online Niederlande keulen 36.000 Ziegen Dezember 2009

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Q-Fieber (sehr ausführliche Beschreibung)

Robert-Koch-Institut: Q-Fieber

Spiegel online Schlamperei in Biowaffen-Labor monatelang verschwiegen vom 3.7.2007

 

Babesiose

 

Erreger

 

Babesien sind plasmodien-ähnliche Hämoparasiten, die primär durch Zecken übertragen werden. Es gibt zahlreiche Babesien-Arten, die eine unterschiedliche Größe aufweisen und deshalb in "kleine" und "große" Babesien unterteilt werden. Einige Arten sind nur für Tiere, wie Hunde und Kühe pathogen. Andere Arten, wie vor allem Babesia divergens und Babesia microti, sind auch human-pathogen. Die Babesiose ist der Malaria ähnlich.

 

Epidemiologie

 

In Baden Württemberg wurden bei etwa 1% der Zecken humanpathogene Babesien nachgewiesen (davon etwa 90% Babesia divergens und 10% Babesia microti), was einer Durchseuchung ähnlich der FSME entsprechen würde. Eine Studie in Deutschland zeigte, dass 12% der Personen, die von Zecken gestochen worden waren, eine positive Babesien-Serologie aufwiesen. Es wird davon ausgegangen, dass die Babesiose eine häufig nicht erkannte Erkrankung ist. (Hunfeld et al. 2004)

 

Siehe hierzu auch:

 

Marcia Scheller Epidemiologische Untersuchungen zum Vorkommen der Humanen Granulozytären, Ehrlichiose und Babesiose bei Waldarbeitern aus Südbayern

Daxböck et al. Granulozytäre und monozytäre Ehrlichiose in Europa - Diagnostische, therapeutische und epidemiologische Aspekte

 

 
 

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