Impfstoff
Es ist kein humaner Lyme-Borreliose-Impfstoff auf dem Markt. Die Firma Baxter, einer der beiden FSME-Impfstoff-Hersteller, führt zur Zeit in Österreich und Deutschland Versuche mit einem Borreliose-Impfstoff auf der Basis von OspA durch. Siehe hierzu: Studienteilnehmer für Untersuchung eines neuen Impfstoffes gegen Borreliose gesucht 2011, Phase 1/2 Lyme Vaccine Study und Jutta Zacharias Lyme-Borreliose: Der Impfstoffskandal 2009
Eine Impfung von Menschen ist lediglich gegen die ebenfalls zecken-übertragene Virusinfektion FSME (Frührsommer-Meningoenzephalitis) möglich.
Hunde können jedoch seit vielen Jahren gegen die Lyme-Borreliose geimpft werden. Siehe hierzu: R.K. Straubinger Lyme-Borreliose beim Haustier Hingegen gibt es keinen FSME-Impfstoff für Tiere.
"MedUni Wien testet Gel für die prophylaktische Behandlung von Borreliose
13.9.11
An der MedUni Wien wird jetzt ein vielversprechendes Gel getestet, durch das die Infektionsrate in in-vivo Studien von 33 auf Null Prozent gesenkt wurde
Die Borreliose ist die am häufigsten von Zecken übertragene Krankheit. In Österreich erkranken daran jährlich rund 50.000 Menschen. An der MedUni Wien wird jetzt ein vielversprechendes Gel getestet, durch das die Infektionsrate in-vivo signifikant gesenkt wurde, selbst wenn die Arznei erst drei Tage nach dem Zeckenbiss, der eigentlich ein Stich ist, angewendet wurde. Für die klinische Studie sucht die MedUni Wien ProbandInnenen mit Zeckenstichen.
Falls die Studie die Ergebnisse aus den bisherigen Forschungen bestätigt, eröffnet das ganz neue Behandlungsmöglichkeiten von Borreliose: „Dann könnte man diese Erkrankung endlich auch prophylaktisch behandeln“, sagt Studienleiter Bernd Jilma von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien am AKH Wien. Bisher wird Borreliose mit einer systematischen Antibiotika-Therapie behandelt – allerdings erst beim Auftreten der ersten Symptome wie Kopf- und Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, oder aber in einem späteren Stadium auch Krämpfe oder Lähmungen sowie Herzmuskelentzündungen.
Der Vorteil des neuen Gels: Sobald die Zecke zugestochen hat, kann mit der Behandlung begonnen werden. Die Krankheitserreger werden lokal in der Haut abgetötet. „Die in-vivo Studien haben ergeben, dass das Mittel fast zu 100 Prozent wirkt, das wäre eine revolutionäre Entdeckung“, sagt Jilma. Zudem sind keine Nebenwirkungen aufgetreten. Die Zulassung sollte daher sehr rasch möglich sein. Jilma: „Aufgrund der niedrigen Dosis des Arzneimittels und der lokalen Aufbringung sind keine für Antibiotika übliche oder die Substanz charakteristische Nebenwirkungen zu erwarten. Das Gel hat sich auch als sehr gut hautverträglich erwiesen.“
Probanden müssen noch "im Besitz" der Zecke sein
Gesucht werden Menschen, die innerhalb der vergangenen drei Tage einen Zeckenbiss entdeckt haben, zwischen 18 und 80 Jahren sind und noch „im Besitz der Zecke sind“, so Jilma. „Das heißt, sie haben die Zecke aufbewahrt oder sie steckt noch in der Haut.“ Dadurch kann erhoben werden, ob die Zecke mit Borrelien infiziert war oder nicht.
Ziel der Studie ist es, die Sicherheit und Wirksamkeit des Arzneimittels, es handelt sich um ein Gel mit dem Wirkstoff Azitromyzin, zu untersuchen. Dieses Gel wird drei Tage lang zweimal täglich direkt auf die Zeckenbiss-Stelle aufgetragen."
Schutzmaßnahmen
Durch eine Reihe von Vorsichtsmassnahmen ist es möglich, das Risiko eines Zeckenstichs und einer damit verbundenen Infektions- und Erkrankungsgefahr zu verringern. Einen hundertprozentigen Schutz bietet das jedoch nicht.
1. Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Repellentien, die als Schutz gegen einen Zeckenstich angeboten werden. Allerdings wirken sie zum einen nicht immer hundertprozentig und zum anderen hält die Wirkung nur einige Stunden (im Mittel drei Stunden) an. Bei den angebotenen Produkten gibt es Unterschiede in der Qualität.
Stiftung Warentest Zecken: Vorsicht vor kleinen Vampiren
2. Seit Neuestem werden auch mit Permethrin imprägnierte Kleidungen und Laken angeboten, durch die ein Zeckenbefall verhindert werden soll. Die Wirksamkeit ist jedoch noch nicht ausreichend geklärt, weshalb zur Zeit weitere größere Studien durchgeführt werden.
Forschungsprojekt Biomonitoring und Beurteilung möglicher Gefährdungen von Beschäftigten in der Forstwirtschaft durch permethrinimprägnierte Schutzbekleidung
3. Häufig wird geraten, beim Aufenthalt in der freien Natur geschlossene Kleidung (langärmlige Oberteile, Socken über die Hosen ziehen usw.) zu tragen, um den Zecken so wenig wie möglich Hautkontakt zu ermöglichen. Da Zecken auch auf Stoffen haften und sich fortbewegen können, bietet das keinen hundertprozentigen Schutz. Das Tragen von heller Kleidung erleichtert jedoch das Erkennen einer Zecke.
4. Nach einem Aufenthalt in der freien Natur ist es ratsam, den Körper nach Zecken abzusuchen. Dabei sollten auch schwer einsehbare Körperstellen einbezogen werden. Denn der Stich bleibt meist unbemerkt, da Zecken beim Stich schmerzlindernde, gerinnungs- und entzündungshemmende Wirkstoffe übertragen.
5. Zecken, die mit Krankheitserregern durchseucht sind, kommen nicht nur in Wäldern, sondern auch in Gärten, Parks und Auen von Ortschaften vor. Es empfiehlt sich, das Gras möglichst kurz zu halten und das Unterholz zu entfernen.
6. Nach einem Zeckenstich sollte möglichst schnell eine fachgerechte Entfernung der Zecke vorgenommen werden. Hierzu gibt es Zeckenzangen, -pinzetten und -karten, die man bei einem Aufenthalt in der Natur bei sich tragen sollte. Allerdings sind nicht alle Produkte gleichermaßen gut geeignet. Wird der Zeckenleib durch zu grobe Instrumente gequetscht, besteht die Gefahr, dass der Inhalt des Zeckenleibs in die Wunde gelangt und dadurch eine Erregerübertragung gefördert wird. Auf keinen Fall sollte eine Entfernung mit Klebstoff, Öl oder anderen Mitteln vorgenommen werden. Bleiben Teil der Zecken in der Stichstelle, so ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.
7. Auch wenn die Zecke entfernt wurde, ist es wichtig, darauf zu achten, ob in den nächsten Tagen oder Wochen Erkrankungszeichen auftreten. Da ein Zeckenstich jedoch unbemerkt bleiben kann, sollte bei Auftreten einer ungewöhnlichen Rötung oder unerklärlichen Krankheitssymptomen auch immer eine mögliche Infektion mit Borrelia burgdorferi und/oder weiteren durch Zecken übertragbaren Infektionserregern in Betracht gezogen und ein Arzt aufgesucht werden. Bei der frühen Lyme-Borreliose ist die sogen. Wanderröte (Erythema migrans) typisch, die jedoch nur in etwa der Hälfte der Fälle auftritt, an schwer einsehbaren Körperregionen unentdeckt bleiben und auch von einem Arzt als Hautmanifestation anderer Ursache fehldiagnostiziert werden kann. Sowohl bei der Lyme-Borreliose, der FSME und den weiteren durch Zecken übertragbaren Krankheiten kann es in der Frühphase zu unspezifischen Beschwerden, wie Fieber, Kopfschmerzen, Glieder- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Krankheitsgefühl kommen, weshalb bei Unklarheiten eine differentialdiagnostische ärztliche Abklärung erfolgen sollte.
8. Von verschiedenen Labors wird eine DNS-Analyse (PCR) des Inhalts der Zecke auf Borrelien angeboten. Dies ist keine Kassenleistung. Der Nachweis von Borrelia burgdorferi in der Zecke besagt nicht, dass auch eine Infektion des Wirts stattgefunden hat, da diese erst nach einem etwa 6 bis 48 Stunden dauernden Stech- und Saugakt stattfindet. Zudem kann es durch Kontaminationen des Untersuchungsmaterials gerade bei der PCR aus Zecken zu falsch positiven Ergebnissen kommen. Andererseits ist es auch durchaus möglich, dass zwar eine Zecke am Körper entdeckt und zur Testung eingeschickt wird, aber eine oder mehrere weitere Zecken übersehen werden. Ist die entdeckte Zecke negativ, kann es jedoch sein, dass übersehene Zecken Borrelienträger sind. Neben Borrelien können Zecken auch noch eine Reihe weiterer Krankheitserreger übertragen, die mit dieser Untersuchung nicht ausgeschlossen werden können.
Aktuelles
Knauer J. et al.
Evaluation of the preventive capacities of a topically applied azithromycin formulation against Lyme borreliosis in a murine model
LMU München
Antibiotika-Gel gegen Zeckenstich 2011
Universität Hohenheim
Pilze gegen Jung-Zecken, Rundwürmer gegen erwachsene Blutsauger