Lyme Borreliose

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Therapie

Lyme Borreliose

Lyme-Borreliose ist eine vom Grunde her mit Antibiotika heilbare Krankheit, vorausgesetzt sie wird rechtzeitig erkannt und ausreichend therapiert. Einig sind sich deshalb die seriösen* Medizinern, dass eine Antibiotika-Behandlung erfolgen muss, wenn die Diagnose Lyme-Borreliose gestellt wird. Strittig ist jedoch, nach welchen Kriterien die Ausgangsdiagnose zu stellen ist, was unter einer ausreichenden Behandlung zu verstehen ist, wie der Therapieerfolg zuverlässig kontrolliert werden kann und was die Ursachen für weiterhin bestehende Beschwerden nach einer Antibiose sein könnten.


So gibt es seit vielen Jahren medizinische Kontroversen über:
Wirksamkeit der jeweiligen Antibiotika-Klassen,
Dosierung des jeweiligen Antibiotikums,
Dauer der Behandlung,
Behandlungswiederholungen bei Therapieversagern
je nach schwerpunktmäßiger Erkrankungsform und Stadium.

* Es gibt auch einige sektiererische Ärzte, die verbreiten, dass eine Antibiotika-Behandlung bei der Lyme-Borreliose grundsätzlich nicht wirksam und zudem schädlich wäre - und die statt dessen mit ungeprüften Außenseitermethoden ein gutes Geschäft machen.

Therapieversager


Von den meinungsführenden Wissenschaftlern werden die Therapieversager mit den von ihnen empfohlenen höchstens vierwöchigen Antibiotik-Behandlungen mit etwa 10% bis 20% angeben. Ihre Kritiker sind der Meinung, diese würden bei über 50% liegen.

Es ist schwierig, in Behandlungsstudien den Ausheilungszeitpunkt der Lyme-Borreliose zuverlässig festzustellen. Denn die Borrelien-Serologie ist nicht zur Therapiekontrolle geeignet. Mit Kultur und PCR kann zwar eine Erregeraktivität belegt, aber nicht mit einer ausreichend hohen Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die Kontrolle des Behandlungserfolgs muss deshalb primär aufgrund des klinischen Bildes und des weiteren Krankheitsverlaufs vorgenommen werden. Einerseits besagt jedoch ein (vorübergehender) Symptomrückgang nicht, dass die Infektion auch ausgeheilt ist, da es zu symptomfreien Latenzzeiten über Monate oder sogar Jahre kommen kann. Andererseits können aber weiterhin bestehende oder neu auftretende Symptome nach einer Antibiotika-Therapie vielfältige Ursachen haben. Zudem sind der Durchführung von placebo-kontrollierten Studien aus ethischen Gründen enge Grenzen gesetzt, da es problematisch ist, im akuten Stadium der Lyme-Borreliose der einen Hälfte ein ursächlich heilendes Medikament zu verabreichen, während die andere Hälfte nur ein Placebo erhält, wodurch ein Fortschreiten der Krankheit risikiert wird.

Theoretisch kommen folgende Möglichkeiten für weiterhin bestehende Symptome nach einer Antibiotika-Therapie in Betracht:


a) Unzureichende Behandlung (nicht geeignetes Antibiotikum, zu niedrige Dosierung, zu kurze Therapiedauer);
b) Erstdiagnose in einem späten Stadium, was eine Antibiotika-Behandlung schwieriger als im Frühstadium gestalten kann;
c) Persistenzmechanismen die es dem Erreger ermöglichen, sich seiner Eliminierung durch (bestimmte) Antibiotika zu entziehen;
d) Unterschiedliche Ansprechbarkeit der Borrelien-Genospezies auf die üblicherweise verwendeten Antibiotika-Klassen;
e) Autoimmune oder autoinflammatorische oder anderweitige immunpathologische Prozesse (mit oder ohne Erregerpersistenz);
f) durch ein längeres Infektionsgeschehen verursachte Organschädigungen, die sich nur langsam zurückbilden oder auch irreversibel sein können (sogenannte Defektheilungen);
g) Mischinfektionen mit weiteren durch Zecken übertragbaren Infektionserregern (z.B. Rickettsia, Ehrlichen, Babesia, FSME), was möglicherweise die Behandlung komplizierter gestaltet;
h) Komorbiditäten, d.h. die Lyme-Borreliose ist ausgeheilt, aber es liegen andere Erkrankungen vor, die diese Symptome verursachen;
i) Durch eine Antibiotika-Therapie verursachte Superinfektionen (z.B. mit Clostridium difficile, Candida albicans usw.) oder andere Medikamenten-Nebenwirkungen;
j) Fehlerhafte Ausgangsdiagnose - es liegt keine Lyme-Borreliose vor.


Eine Studie zur Antibiotika-Therapie der persistierenden Lyme-Borreliose wird zur Zeit von der niederländischen Universität Radboud durchgeführt. (Studie: Persistent Lyme Empiric Antibiotic Study Europe) Aufgrund des Studiensettings sorgt diese Studie bereits vor ihrer Durchführung für Kritik bei einigen Fachleuten, nicht nur wegen der Verwendung von 12 - bis 24wöchigen Antibiotika-Therapien, da die meinungsführenden Wissenschaftler der Meinung, es sei hinreichend geklärt, dass längere als vierwöchige Antibiotika-Therapien keinen besseren Nutzen aufweisen würden. Aber es ist auch unklar, auf welchen Grundlagen in der Studie der Behandlungserfolg kontrolliert wird. Denn die von der Studiengruppe angegeben General Health Survey-Skale (SF 36) wird dafür als alleiniges Instrumentarium nicht als ausreichend angesehen. 2012 wurde über die Presse verbreitet, die Universität Radboud und Boulder Diagnostics hätten eine neue Borrelien-Labordiagnostik-Methode lizensiert. Details wurden nicht bekannt gegeben, weshalb unklar ist, um was es sich handelt und auf welchen Grundlagen und welchem Patent dieses Verfahren basiert.


Aktuelles

Embers M. et al.
Persistence of Borrelia burgdorferi in Rhesus Macaques following Antibiotic Treatment of Disseminated Infection 2012

Aberer E. und Schwantzer G.
Course of Antibody Response in Lyme Borreliosis Patients before and after Therapy 2011

Weitere Informationen

Allgemein

Girschick et al.
Treatment of Lyme borreliosis 2009

Dinser R. et al.
Antibiotic treatment of Lyme borreliosis: what is the evidence? 2005

Sicklinger M. (Dissertation)
In-vitro-Sensibilität von Borrelia burgdorferi sensu lato gegenüber vier Antibiotika: ein Vergleich der Genospezies Borrelia afzelii, Borrelia garinii und Borrelia burgdorferi sensu stricto 2006 (pdf)

Antibiotika-Therapie - Persistenz

Yrjänäinen H et al.
Persistence of borrelial DNA in the joints of Borrelia burgdorferi-infected mice after ceftriaxone treatment 2010

Hodzic E. et al.
Persistence of Borrelia burgdorferi following Antibiotic Treatment in Mice 2008

R.K. Straubinger
Persistence of Borrelia burgdorferi in experimentally infected dogs after antibiotic treatment. 2000

Priem et al.
Detection of Borrelia burgdorferi by polymerase chain reaction in synovial membrane, but not in synovial fluid from patients with persisting Lyme arthritis after antibiotic therapy 1998 (pdf)

Aberer E. et al.
Why Is Chronic Lyme Borreliosis Chronic? 1997 (pdf)

Vera Preac Mursic
Absterbekinetik von Borrelia Burgdorferi sensu lato 1996 (pdf)

Formation and Cultivation of Borrelia burgdorferi Spheroplast-L-Form Variants (englisch) 1996

Kersten A. et al.
Effects of penicillin, ceftriaxone, and doxycycline on morphology of Borrelia burgdorferi 1995 (pdf)

Nebenwirkungen

TAZ
Antibiotika mit Nebenwirkung 2011

Holzbauer S. et al.
Death Due to Community-Associated Clostridium difficile in a Woman Receiving Prolonged Antibiotic Therapy for Suspected Lyme Disease 2010

Georg Griffin
Cytokines involved in human septic shock—the model of the Jarisch–Herxheimer reaction 1998 (pdf)

Behandlungsstudien Neuroborreliose

Ljøstad U. et al.
Oral doxycycline versus intravenous ceftriaxone for European Lyme neuroborreliosis: a multicentre, non-inferiority, double-blind, randomised trial 2008

Fallon B. et al
A randomized, placebo-controlled trial of repeated IV antibiotic therapy for Lyme encephalopathy. 2007

Alternativ- und Komplementärmedizin und Off-label-Use von Arzneimitteln

Der Gemeinsame Bundesausschuss
zum Off-label-Use von Arzneimitteln

Verbraucherportal BW
Wenn beim Arzt bezahlt werden soll


Christian Weymayr
Im Supermarkt der Superkräuter Febr. 2009

Zeit online
Edzard gegen Charles Jan. 2012

Verbraucherzentrale BW
Nahrungsergänzungsmittel

Spiegel online 22.11.2010
Rückfall ins Mittelalter

Spiegel online
Ärzte machen mit Unsinn Kasse Jan. 2012

BGH-Urteil
Bei möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen eines Medikaments ist neben dem Hinweis in der Gebrauchsinformation des Pharmaherstellers auch eine Aufklärung durch den das Medikament verordnenden Arzt erforderlich. 2005

Bayerisches Landessozialgericht
Keine Kostenübernahme der Krankenkassen von Behandlungen, die nicht dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechen 2001

Sozialgericht Aachen
Keine Apheresen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenkasse 2009

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